«Rhesi» – Rhein , Erholung, Sicherheit
Der Unterlauf des Alpenrheins zwischen Oberriet/Koblach und dem Bodensee bei Fussach/Höchst wird auf einer Länge von 26 km umgebaut werden, etwa zwischen 2030 und 2050 während 20-jähriger Bauzeit. Dies, weil die Dämme den Sicherheitsanforderungen nicht mehr genügen, ein immenses Schadenspotenzial (13 Milliarden Franken) vorhanden ist und im Zuge der Klimaveränderungen häufigere Extremwetterereignisse erwartet werden. Das zwei Milliarden teure Vorhaben läuft unter dem Projektnamen «Rhesi» – Rhein , Erholung, Sicherheit. Rhesi integriert die im Entwicklungskonzept Alpenrhein (EKA) vorgesehenen Aufweitungen (M31-M34). Die Hochwassersicherheit soll von einem hundertjährlichen Abflussereignis (3100 m3/s) auf ein dreihundertjährliches Abflussereignis (5300 m3/s) ausgebaut werden. Der Ausbau muss naturnah erfolgen und sich an der möglichen Wiederherstellung des naturnahen Verlaufes orientieren, um bundesrechtlichen Anforderungen zu genügen. Rhesi ist somit ein Hochwasser- und ein Renaturierungsprojekt.
Die Naturschutzorganisationen der Plattform Lebendiger Alpenrhein kritisieren insbesondere die zu geringe Dimensionierung der Aufweitungen. Diese sind zu kurz, zu eng und in zu geringer Anzahl vorhanden. Um der Wiederherstellung des natürlichen Verlaufes gerecht zu werden, bräuchte es über weite Strecken deutlich mehr Breite zwischen dem künftigen Uferschutz.
Besonders schwer wiegt der Verzicht auf markante Aufweitungen in der Mündungsstrecke nahe dem Bodensee. Es braucht diesen Lebensraum, damit die Vernetzung für Tierarten zu Wasser und zu Land zwischen Oberriet/Koblach und dem Bodensee, dem wichtigsten Artenpool für die Wiederbesiedlung des renaturierten Rheins, funktioniert.
Ein naturnäheres Rhesi bietet Synergien für den Hochwasserschutz, die Ökologie und auch die unbestrittene und notwendige Trinkwasserversorgung. Ein naturnahes Rhesi ist eine Chance für die Natur und für die Bevölkerung.
Im Detail
Km 65-91
EKA-Massnahmen 31, 32, 33, 34
Betroffene Gemeinden:
Schweiz: Oberriet, Diepoldsau, Widnau, Au, St.Margrethen
Österreich: Meiningen, Koblach, Mäder, Altach, Lustenau, Höchst, Fussach, Hard
Planungsprozess
Das Projekt wird im Auftrag der Internationalen Rheinregulierung seit 2010 entwickelt. Ende 2018 wurde das Generelle Rhesi-Projekt der Öffentlichkeit vorstellt. Ende 2023 wurde die Mitwirkung zum verfeinerten Genehmigungsprojekt lanciert und abgeschlossen. Das Bewilligungsverfahren startet voraussichtlich 2026 in der Schweiz und in Österreich. Rechtliche Grundlagen wurden eigens dazu geschaffen, z.B. mit dem vierten Staatsvertrag, der hauptsächlich den Kostenteiler im Zweistaatenprojekt regelt. Weitere Gesetze werden noch verabschiedet werden, auch um das Auflageverfahren in vielen betroffenen Gemeinden zu vereinfachen.
Für die Umsetzung des bewilligten Generellen Rhesi-Projektes rechnet man mit 20 Jahren Bauzeit. Es wird etappiert vorgegangen, von den seenahen Abschnitten arbeitet man sich flussaufwärts. Die Strecke zwischen Rheinspitz (km 75) bis Fussach (km 91) soll innerhalb von 10 Jahren gebaut sein.
Aufweitungen
Die Rhesi-Strecke wird in drei Abschnitte unterteilt, wo die Erreichung der folgenden mittleren Sohlbreiten zwischen den Ufern angestrebt wird:
Abschnitt 1, Km 65-75 (Illmündung-Rheinspitz Diepoldsau): 300 m mittlere Sohlbreite
Abschnitt 2, Km 75-85 (Rheinspitz Diepoldsau-St.Margrethen/Höchst): 240 m mittlere Sohlbreite
Abschnitt 3, Km 85-91 (St.Margrethen/Höchst-Fussach/Hard): 220 m mittlere Sohlbreite
Diese Sohlbreiten werden in den Abschnitten 1 und 2 nur auf kurzen Strecken erreicht (s. Abbildung 1) und im Abschnitt 3 gar nie erreicht. Überall aber wird das etwa 60 m breite Flussbett künftig aufgeweitet.
Das Rhesi-Team plant drei breitere Abschnitte, so bei der Frutzmündung (Breiten bis 380 m), bei Mäder (Breiten bis 330 m) und bei Widnau (Breiten bis 320). In diesen Abschnitten prognostizieren die Planer die ausreichende Entwicklung typischer Auenlebensräume und deren Arten in robusten Beständen.

Abb. 1. Längenprofil des Genehmigungsprojektes Rhesi 2023. Die dicke hellblaue Linie zeigt die Breiten, die das Projekt zwischen dem Uferschutz erreicht. Punktuell durchstösst die dicke blaue Linie die dunkelgrüne horizontale Linie (mittlere Sohlbreite). (Copyright: Flussbau AG 2023, Fachbericht D.03.05.00 – Hochwasserschutz Alpenrhein Internationale Strecke km 65-91, Genehmigungsprojekt, Teil D. UVE / UVB)
Kritik der Schutzverbände
Die Schutzverbände begleiten das Projekt seit den Anfängen im 2010 bis heute gründlich, und unter Einsatz beachtlicher Aufwände. Ihre Hauptkritik gilt der Dimensionierung der Aufweitungen. Diese sind laut Schutzverbänden der Umweltplattform Lebendiger Alpenrhein zu kurz, zu eng und in zu geringer Anzahl vorhanden. Um der Wiederherstellung des natürlichen Verlaufes gerecht zu werden bräuchte es über weite Strecken deutlich mehr Breite zwischen dem künftigen Uferschutz. Diese Kulturlandflächen sind vorhanden, werden aber nicht angetastet. Dabei wäre nur ein Bruchteil der immensen Kulturlandflächen nötig, die dem Rhein mit der Begradigung abgerungen wurden.
Besonders schwer wiegt der Verzicht auf markante Aufweitungen in der Mündungsstrecke (Abschnitt 3), nahe dem Bodensee. Es braucht diesen Lebensraum damit die Vernetzung für Tierarten zu Wasser und zu Land zwischen Oberriet/Koblach und dem Bodensee, dem wichtigsten Artenpool für die Wiederbesiedlung des renaturierten Rheins, funktioniert.
In frühen Projektphasen war die seenahe Aufweitung bei Fussach in der Kombinationsvariante K1 eingeplant, ebenso weitergehende Aufweitungen bei Widnau, Au, Rheinspitz, Kriessern und Frutzmündung. Diese Variante hätte die Verlegung einiger Grundwasserbrunnen bedingt. Schon lange haben sich die Wasserversorger aber gegen die naturnahe Kombinationsvariante K1 durchgesetzt. Das aktuelle Genehmigungsprojekt hält an allen 19 Grundwasserbrunnen in den Vorländern fest, auch wenn diese punktuell etwas anders angeordnet werden.
Die Politik hat früh definiert, innert welcher Grenzen Rhesi entwickelt werden darf, welche Infrastrukturen (Grundwasserbrunnen) Priorität haben und welche anderen Interessen sich darum anordnen müssen. Beim Naturschutz hat man klar Abstriche gemacht. Deshalb machen sich die Schutzverbände weiterhin für ein naturnäheres Rhesi stark. Dazu muss aber auf weiten Strecken stärker aufgeweitet werden. Ein naturnäheres Rhesi bietet Synergien für den Hochwasserschutz, die Ökologie und auch die unbestrittene und notwendige Trinkwasserversorgung. Ein naturnahes Rhesi ist eine Chance für die Natur und die Bevölkerung.