< Seeforelle oder Rheinstufen
19.05.14 17:12 Alter: 8 yrs

Wasserkraftprojekt Chlus


Helfen die Umweltverbände mit ein Wasserkraftnutzung zu realisieren, muss nebst mehr Energie auch für die Natur ein beachtlicher Mehrwert rausschauen. Wasserkraftprojekte, wo gleichzeitig mehr Energie und mehr Ökologie möglich ist, sind allerdings sehr selten. Vom neuen Schwallausleitkraftwerk im Rahmen des Chlusprojektes versprachen sich die Umweltverbände ursprünglich einen Mehrwert. Die Landquart würde damit von der täglichen Ebbe und Flut befreit. Das Projekt steht kurz vor dem Abschluss. Dennoch ist für die Umweltverbände fraglich, ob mehr als das gesetzliche Minimum erfüllt wird.

Die grossen Pluspunkte für die Natur versprechen sich die Umweltverbände vom Rückbau der Schwelle in der Chlus, von der Sanierung der negativen Auswirkungen des Schwalls sowie von umfangreichen Lebensraumaufwertungen. Denn, per Gesetz muss der angestrebten Mehrnutzung, welche eine Beeinträchtigung der Gewässerlebensräume und der Landschaft bewirkt, mit Lebensraumaufwertungen kompensiert werden. Nur zur Klärung: auch der Schwall muss per Gesetz saniert werden. Ebenso ist die Herstellung der Fischwanderung ein Gesetzesauftrag. Zur Erfüllung dieser Bundesgesetze stehen Bundesgelder zur Verfügung. Weil für den Kraftwerkbetreiber hierbei keine Kosten anfallen, können diese Sanierungsmassnahmen auch nicht als Ersatzmassnamen angerechnet werden oder als Projektleistungen präsentiert werden.

Etwa in der Hälfte der mehrjährigen Projektphase kam es zu einer markanten Projektänderung. Zentralen in der Chlus sowie nahe dem Rhein auf Malanser Gebiet, mit Rückgabe des schwallgedämpften Triebwassers unterhalb der Landquartmündung, wurden aufgegeben. Offenbar waren die Reibungsverluste und deshalb Produktionseinbussen bei dieser Linienführung zu hoch. Stattdessen kam eine zusätzliche Wasserfassung in der Landquart bei Küblis hinzu. Wasser vom Davosersee und der neu gefassten Landquart bei Küblis sollen mit der neuen Variante nun in der Zentrale bei Küblis und in einer neuen Zentrale bei Trimmis geleitet und turbiniert werden. Das Wasser vom Ariesch-, Furner- und Schranggabach soll künftig wie auch bei der ursprünglichen Variante gefasst werden, aber meist weiter oben.

Gemäss nun nicht mehr so neuer Projektvariante soll das Triebwasser nun weit oberhalb der Landquartmündung bei Trimmis turbiniert und danach schwallgedämpft in den Rhein geleitet werden. Das Schwallbecken läge im Industrieareal bei Trimmis. Den Umweltverbänden machte die Einleitung des sehr trüben Triebwassers oberhalb der noch wunderbaren Mastrilser Rheinauen massive Bauchschmerzen, aufgrund des stark trüben Wassers. Es geht schliesslich um das letzte verbliebene Auenjuwel mit nenneswerter biologischer Vielfalt am Rhein. Notabene sind die Mastrilser Rheinauen gemäss wissenschaftlicher Bewertung von nationaler Bedeutung. Nur noch hier gibt es am Rhein ein wenig Naturverlaichung der Seeforellen. Wegen der zusätzlichen Trübe fürchten wir um den ungeschmälerten Erhalt dieses Hotspots. Denn, die zusätzlichen Feinstoffwolken könnten dazu führen, dass die Lückenräume im Kies verstopfen. Damit würden nicht nur die Eier der kieslaichenden Fischarten erstickt, sondern auch die Grundwasseranreicherung gefährdet. Nach wie vor fehlen uns quantitative Nachweise, dass dies nicht passiert. Ob die projektintegrierten Massnahmen reichen, um Beeinträchtigungen der Auen zu verhindern, ist unklar. Integrierte Massnahmen wären z.B. das vorgesehene Schliessen der Fassungen im Frühjahr bei entsprechenden Verhältnissen. Auch die Machbarkeit des Schwallbeckens scheint uns noch nicht wirklich geben. Raumplanerische Fragen sind noch offen, Verbindlichkeiten fehlen. In den Sternen steht ebenfalls, ob die rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um der Landquart so viel Wasser zu geben, dass sie den Wanderer mit Ihrem Wasserspiel auch künftig beeindrucken kann.

Zuletzt stellt sich die Frage, ob die Fischgängigkeit in der Chlus mit einer aufgelösten Rampe wirklich machbar ist. Mit der neuen Projektvariante (Zentrale weg von der Chlus nach Trimmis) rückte der Schwellenumbau in der Chlus in der Priorität zurück. Dennoch sollen jetzt finanzielle, technische und juristische Machbarkeiten erörtert werden. Dass die Fischwanderung in der Chlus hergestellt werden muss, ist keine Frage. Das Gewässerschutzgesetz fordert dies. Nur, wird es ein kostengünstigeres technisches Bauwerk (Fischtreppe) geben, oder eine doch recht kostspielige und schwer finanzierbare aufgelöste Rampe? Obwohl mit beiden Varianten der Fischaufstieg hergestellt werden kann, sehen die Umweltverbände in der Rampenlösung Vorteile bezüglich Ökologie und Unterhalt.

Ein schwieriges Projekt ist noch nicht über den Berg. Noch kämpfen die Umweltverbände dafür, dass nicht nur die rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft werden sondern auch für die Bereiche Ökologie, Auenschutz und Landschaft weiterführende Massnahmen getroffen werden.